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  • Ableben Ehrenpräsident Prof. Dr. Alfred Lehr
    Nachruf zu Ehren unseres längstdienenden Funktionärs

    Prof. Senator mult. Dkfm. Dr. Alfred Lehr ist am 29. Juni 2011 nach kurzer schwerer Krankheit für immer von dieser Welt abberufen worden. Sein Name ist untrennbar mit dem Verband Österreichischer Wirtschaftsakademiker, dessen Aufstieg und Glanzzeiten verbunden. Er war der längst dienende Funktionär und begleitete den VÖWA seit dem Jahre 1949 als Erster Vizepräsident und von 1976 bis einschließlich 1998 als Präsident. In der Generalversammlung 1998 wurde ihm die Ehrenpräsidentschaft auf Lebenszeit mit Sitz und Stimme im Vorstand als Anerkennung seiner großartigen und richtungweisenden Verdienste verliehen. In den Jahrzehnten seiner Präsidentschaft wurde der Verband als Standesvertretung von Absolventen sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Studienrichtungen zu einem unauslöschlichen Bestandteil des universitären und postuniversitären Lebens in Österreich.

    Alfred Paul Lehr wurde am 12. Oktober 1924 in Wien geboren und besuchte dort das Elisabeth-Gymnasium. Er inskribierte unmittelbar nach bestandener Matura im Jahr 1942 an der damaligen Hochschule für Welthandel in Wien. Sein Studium wurde allerdings noch im gleichen Jahr durch die Einberufung zum Militärdienst unterbrochen. Erst 1946 war für Alfred Lehr die Fortsetzung seines Studiums möglich, das er – bereits nach österreichischer Studienordnung – im Jahr 1948 mit dem Grad eines „Doktors der Wirtschaftswissenschaften“ abschloss, nachdem er ein Jahr zuvor den akademischen Grad „Diplomkaufmann“ erreicht hatte.

    Noch während seines Studiums trat der frischgebackene Diplomkaufmann Ende 1947 in einer Wiener Textil-, Großhandels-, Import- und Exportfirma ein, in der ihm bereits nach kurzer Zeit die Leitung der Außenhandelsabteilung übertragen wurde. Nach Jahresfrist erhielt er ein Angebot der Creditanstalt-Bankverein, in der Dr. Lehr als Bankkaufmann schon nach drei Jahren die Handelsvollmacht, nach weiteren drei Jahren die Prokura erhielt und zwei Jahre später zum Oberprokuristen avancierte. Im Jahre 1974 ernannte ihn der Vorstand der Bank zum Direktor. Von 1979 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1994 übte Prof. Dkfm. Dr. Lehr als Leiter der „Wirtschaftswissenschaftlichen Beratungsstelle“ eine wichtige Funktion in der Creditanstalt aus.

    Viele Jahre hindurch bekleidete Dr. Lehr darüber hinaus mit großer Umsicht und fundiertem Fachwissen eine Reihe von Funktionen als Geschäftsführer, Prokurist und Aufsichtsratsmitglied in Konzernunternehmungen der Bank in deren Auftrag.

    Neben diesen hauptberuflichen Agenden war Dr. Lehr lange Zeit, ebenfalls äußerst aktiv, auf universitärem Boden tätig. so war er in den Jahren 1953 bis 1957 Beisitzer, von 1957 bis 1976 Vorsitzender der Diplomprüfungskommissionen an der Hochschule für Welthandel. Des Weiteren war Dr. Lehr bereits seit 1962 als akademischer Lehrer an der Universität Wien und als ständig beeideter Gerichtssachverständiger tätig. In diesem Zusammenhang müssen auch seine zahlreichen Publikationen erwähnt werden. Seine weit reichende wissenschaftliche Arbeit bildete die Grundlage für die im Jahre 1965 erfolgte Ernennung zum „Professor“.

    Prof. Dr. Lehr übte auch eine Reihe von überregionalen, weit über die Grenzen Österreichs hinaus ausstrahlenden Tätigkeiten in nationalen und internationalen Institutionen aus.

    Prof. Dr. Lehr hat sich in seinem arbeitsreichen Leben stets sehr hohe Ziele gesteckt. Ihm war kein Weg zu steil und zu beschwerlich, die einmal vorgegebenen Ziele mit Konsequenz, aber auch mit intensivem Arbeitseinsatz, zu erreichen. Stets strebte er ein positives Ergebnis seiner Bemühungen an und hat auch dann nicht resigniert, wenn er von Mitarbeitern, denen ein solcher Weg zu dornig oder zu arbeitsaufwändig und daher zu unbequem war, zeitweilig oder gänzlich im Stich gelassen wurde. Trotz so mancher Enttäuschengen, die Präsident Dr. Lehr in seinen so ereignisreichen Funktionsperioden erleben musste, hat er seinen Humor, seinen Positivismus und seine Hingabe an den VÖWA niemals verloren. Eher das Gegenteil ist eingetreten: Er hat denen, die ihn im Stich ließen, bewiesen, dass die Erreichung nahezu aller realistisch gesteckten Ziele möglich ist.

    Eine Reiher höchster Ehrungen durch die Republik Österreich, die Bundesländer Wien und Niederösterreich, durch die Universität Wien und die Wirtschaftsuniversität, den Bundesverband deutscher Volks- und Betriebs-wirte und natürlich durch den Verband Österreichischer Wirtschaftsakademiker unterstreichen die hohe Wertschätzung, welche dem teuren Toten entgegengebracht wurde.


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